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Geschichte am Dio

Der Besucher, der vor dem Eintritt ins DIO einen Moment verweilt und die Fassade des Portals und die Vorhalle des Eingangs betrachtet, kann in ihnen erkennen, was die Schule als Aushängeschild an Lernzielen für die Schüler angibt. Er steht quasi vor dem in Stein gehauenen Flyer. Allerdings lernt der Betrachter nur das Schulprogramm des Kaiserreichs unter Wilhelm II. aus dem Jahre 1909 kennen, (weswegen soeben auch die Schülerinnen nicht mitgemeint waren).

Entschlüsselt der Betrachter das Bildprogramm, kann er erahnen, was ihm alles versprochen wird: Die üppig geschwungenen Pflanzen in barocken Schalen mit den reifen Früchten verweisen nicht nur auf die Gründungszeit der Schule (1659), sondern sie symbolisieren auch das Wissen, das zur Weisheit gesteigert werden kann, wie die in die Ferne schauende griechische Göttin Athene (Eule) bzw. die römische Minerva verheißt.

Mitgeteilt wird dem Betrachter aber auch, dass er dafür einiges an Leistung zu erbringen hat, nämlich die Sprache der alten Griechen und der Römer zu erlernen und in ihnen die philosophischen Texte der Antike zu erarbeiten, sodass er neben dem Christentum (Kreuz im Portal) auch die Renaissance (Giebel)und die Aufklärung als grundlegende Ideen der abendländischen Tradition in diesem humanistischen Gymnasium versteht. Auch der in Stein gehauene Name der Schule ist Programm: Gymnasium Dionysianum. (Der Heilige Dionysius ist der Gründer von St. Denis in Paris, nicht der Gott Dionysos.) Für all dies benötigt der damals für 9 Jahre Eintretende (Spruch des Heraklid: Introite nam et hiic dii sunt) Fleiß, Ausdauer Langsamkeit und Muße, was die Schnecken und die Bienen versinnbildlichen.

Das Fach Geschichte am Dionysianum hat es sich zur Aufgabe gemacht, die bedeutsamen  Besonderheiten unserer mehr als 350 Jahre alten Schule und ihrer Gebäude aus unterschiedlichen Epochen im Geschichtsunterricht zum Thema zu machen, sodass nahezu alle Epochen der Geschichte von der Antike über das Mittelalter, die Neuzeit bis hin zur Aufklärung und zur Moderne mit einem Bezug zur Lokal- und Schulgeschichte bearbeitet werden können. Dabei geht es dann besonders um die Frage, wie Geschichte in unterschiedlichen Zeiten instrumentalisiert worden ist.

Dafür eignen sich in besonderer Weise das historistische Gebäude des Altbaus von Josef Franke aus dem Kaiserreich (1909) wie auch der moderne Neubau von Josef Kleihues (2002) in der unmittelbaren Nachbarschaft des historischen Friedhofs an der Salzbergener Straße aus der Zeit der napoleonischen Besetzung mit seinen Möglichkeiten zur Erforschung der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte unserer Region.

Bedeutsam für den Geschichtsunterricht sind die unterschiedlichen Denkmale anlässlich der beiden Weltkriege, das Langemarckdenkmal von Albert Mazotti (1934) und die Vorhalle der Aula (1959) um die Skulptur des Hl. Sebastian von Gerhard Marcks mit der Gedenktafel von Josef Sauerland; ebenso auch Albert Baurs Historiengemälde Der heilige Ludgerus predigt den Sachsen das Evangelium auf der Ems (1902). Sie alle stellen die Frage nach dem Umgang mit der Geschichte und nach deren Instrumentalisierung. 

Unter anderem mit der Teilnahme am Wettbewerb der Körber-Stiftung (1992), mit der Umgestaltung des Langemarck-denkmals (ab 1989), mit der Erarbeitung des begehbaren Schulprogramms des Jahres 1909 in der Ausstellung Wanderer, kommst Du nach Spa ... (2004) und mit der Festschrift zum 350jährigen Schuljubiläum im Jahre 2009 wurden wesentliche Aspekte  der jüngeren Schulgeschichte aufgearbeitet.

Hingewiesen sei auch auf die jüdischen Friedhöfe der Stadt wie auf die von der Schulgemeinde gestifteten sieben Stolpersteine, die an die jüdischen Opfer unserer Stadt, aber auch an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus erinnern.

Drei dieser Steine hat der Kölner Künstler Gunther Demnig vor dem Hauptportal unserer Schule in der Erde versenkt, und zwar für Heinz Weinstock, der 1945, einen Tag nach der Befreiung aus dem KZ Stutthoff erschossen wurde, für Dr. Ewald Rosenthal, der am 10. Februar im KZ Buchenwald erschossen wurde, und für Karl-Ernst Eickens, der als Mitglied der Widerstands am 23. August 1943 in Wolfenbüttel hingerichtet wurde.

Die uns umgebende Architektur und die Relikte der Vergangenheit stellen uns - auch noch 100 Jahre nach Beginn der „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ (W. Mommsen) im August 1914 - die für uns heute noch wesentlichen Fragen nach der Entstehung des Nationalismus, des Antisemitismus und des Nationalsozialismus. Wie konnte in einer christlich-humanistischen Schule bzw. Gesellschaft die Bereitschaft erzeugt werden, einem verbrecherischen System zu dienen? Der tägliche Umgang mit dem Erbe der Vergangenheit verpflichtet uns in ganz besonderer Weise zur Auseinandersetzung mit dieser Frage. Dies entspricht den allgemeinen Aufgaben unseres Faches, ein reflektiertes Geschichtsbewusstsein und die Entwicklung einer historisch eingebundenen Identität zu fördern.

Aus diesem Grunde auch unterstützt die Fachschaft seit Jahren die Teilnahme an Wettbewerben wie dem der Körberstiftung unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten, bei dem eine Reihe von Schülerinnen und Schülern wie auch Schülergruppen bereits Preise errungen haben. (Themen u.a. zur Textilstadt Rheine, Migration, Nationalsozialismus, Nachkriegszeit) Auch fördert die Fachschaft die historische Forschung von Schülern besonders im lokalen und regionalen Bereich mit der Betreuung von Facharbeiten und der Möglichkeit der Besonderen Lernleistung im Abitur.

Lange Jahre gehörte zur großen Bereicherung des Geschichtsunterrichts aller 10ten Klassen der Besuch von Herrn Helmuth Noach, einem 1927 in Köln geborenen Juden, der vor den Nationalsozialisten nach Holland fliehen musste, wo er heute noch lebt. Für Herrn Noach bedeutete die Erzählung seiner Geschichte eine persönliche Verarbeitung seiner Vergangenheit, der er sich früher nicht zu stellen wagte; andererseits suchte er die Chance, einen Beitrag zu leisten zur historischen Aufklärung  junger Menschen in Deutschland. Durch die Authentizität seines Berichtes gewannen viele unserer Schülerinnen und Schüler einen lebendigen Eindruck von den direkten Auswirkungen der verbrecherischen Politik der Nationalsozialisten auf das Schicksal einer jüdischen Familie in Deutschland.

Geschichtsunterricht verliert in solchen Momenten - ganz im Sinne der oral history – jegliche Abstraktheit. Vielmehr vermittelt er – über die Unmittelbarkeit der Begegnung – Einsichten, die in dieser Intensität auch durch eine noch so gründliche Beschäftigung  mit historischen Quellen und Dokumenten nicht zu gewinnen sind. Leider ist Herr Noach inzwischen zu alt geworden, den Schülerinnen und Schülern unserer Schule seine bewegende und ergreifende Geschichte zu erzählen. Übrig geblieben ist lediglich ein Film des WDR über das Schicksal von Herrn Noach. Wir bemühen uns aber weiter, die Tradition der oral history am Dionysianum aufrecht zu erhalten. So haben wir in diesem Sinne in den letzten Jahren auch Kontakte mit der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) hergestellt.

Zur Einbettung unterrichtlich vermittelter Inhalte in lokal- und regionalgeschichtliche Bezüge werden je nach Schwerpunkt des Unterrichts von den Fachlehrerinnen und Fachlehrern Besuche außerschulischer Lernorte geplant und durchgeführt.

Die bisher geübte Praxis lässt darüber hinaus folgende Aktivitäten als sinnvoll erscheinen:

 

Gymnasium Dionysianum Rheine
Anton-Führer-Str. 2
48431 Rheine
Telefon: (0 59 71) 914 39 90
Telefax: (0 59 71) 914 39 99
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